"Wat nix koss, is nix"
- 5. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Folge 18

Was haben der Kölner Zoo und der Kölner Dom gemeinsam? Ihr Eintritt ist nicht kostenlos. Als der Zoo 1860 gegründet wurde, kostete er 5 Silbergroschen. Das konnten sich – so war es gewollt – nur betuchte Kölner Bürger leisten. Arbeiter blieben außen vor. Für den Kölner Dom kostet ein Erwachsenenticket ab 1. Juli diesen Jahres 12 Euro. Ein demokratischer Fortschritt zu damals. Genug mit den Vergleichen zwischen Zoo und Dom ... obwohl ich gestehe, dass ich für einzelne Kölner Kirchenfürsten hinter Gräben und Gittern auch Zoo-Eintritt zahlen würde ...
Zurück zum beschlossenen Eintrittspreis für den Kölner Dom nach 800 unentgeltlichen Jahren. Die Altsprachler unter uns nennen letzteres: "pro bono publico" – der Allgemeinheit dienend. Natürlich weiß ich, dass das 300.000 Tonnen schwere Weltkulturerbe sich nicht selbst trägt. 16 Millionen Euro im Jahr verschlingen der Bauerhalt und Betrieb. Gut angelegtes Geld, sage ich, schließlich sind Millionen Besucher pro Jahr die beste Werbung für die Kirche und für Köln. Und das Erzbistum Köln nagt mit einem Vermögen von vier Milliarden Euro nicht gerade am Hungertuch ... wobei überraschenderweise trotz vieler Austritte die Kirchensteuer-Einnahmen steigen.
Also eigentlich ist das Geld für den Unterhalt des Doms vorhanden. Man muss nur wollen und umverteilen. Schließlich kommt auch der weltweit prächtigste Sakralbau – der Petersdom in Rom – ohne einen Ablasshandel mit den Besuchern aus. Übrigens der Michel in Hamburg und nahezu alle Kirchen in Deutschland auch.
Mir geht es bei den Kölner Eintrittspreisen auch mehr um das "Kleingedruckte" ... aus persönlicher Sicht: Als unsere Kinder noch kleiner waren, gehörte ein Dom-Besuch zu den Lieblings-Wochenendausflügen. Dabei durften sie Kerzen anzünden: "eine für Opi Bremen", "eine für Opa und Oma Hamburg", "eine für Tante Susanne". Meine Frau und ich standen berührt dabei ... sie schon lange aus der Kirche ausgetreten, ich seit jeher überzeugter Atheist. Unsere Jüngste, heute 29, leitet inzwischen einen kirchlichen Kindergarten, die mittlere Tochter, heute 39, arbeitet im Marketing eines katholischen Bildungsträger und eine der Schwiegertöchter ist Oberärztin im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Diakonie in Kaiserswerth.
Sie alle dürften bei einem zukünftigen gemeinsamen Dombesuch als "Betende und Menschen, die zur Besinnung im Dom verweilen wollen", von der Zahlungspflicht ausgenommen sein. Aber wir anderen Familienmitglieder müssten zahlen. Doch wie will man uns überprüfen? Durch intensive Gewissensbefragung? Das gab es seit dem Mittelalter nicht mehr.
"Wat nix koss, is nix", steht als Überschrift über diesem Text. Ich glaube, dieses Motto hat auch die jung-dynamischen Finanzmanager der Erzdiözese Köln geleitet. Am selben Tag, als der Kölner Stadt-Anzeiger das Ereignis zum Seite-1-Aufhänger machte ("Der Dom hat seinen Preis"), erschien auf der "Panorama"-Seite ein kurzer Artikel "Wiesn-Maß wird schon wieder teurer", dass der Bierpreis auf dem Oktoberfest auf bis zu 15,80 Euro klettert.
Ich wusste es schon immer: Die Kölner und die Münchner sind uns "Fischköppen" in Sachen Geschäftstüchtigkeit um Längen voraus.


