Morje es, wat du drus mähs!
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Aktualisiert: vor 4 Tagen

Folge 17
„Morje es, wat du drus mähs! So lautet das Karnvevalsmotto für nächstes Jahr in Köln. Optimismus in Reinkultur. Ich rede dabei nicht über die diesjährigen Mottowagen des Rosenmontagszuges. Da war von Optimismus wenig zu spüren. Aber bissige Satire gehört beim Karneval nun einmal dazu. Und weder Herr Trump noch Herr Putin noch die AFD zaubern uns ein hoffnungsvolles Lächeln ins Gesicht.
Trotzdem bleibe ich Optimist. Und als Immi-Kölner rede ich lieber über Schildbürgerstreiche – benannt übrigens nach den Einwohnern des fiktiven Ortes Schilda, die aus (vermeintlicher) Dummheit alles falsch machen … ein Rathaus ohne Fenster bauen und dann in Säcken das Sonnenlicht hineintragen.
Zurück nach Kölle am Rhein. Schon zum zweiten Mal musste die Autobahn-Rheinbrücke im Kölner Norden – ein berüchtigtes Jahrhundertbauwerk a la Berliner Flughafen – gesperrt werden, dieses Mal ausgerechnet am Rosenmontag. Hoch oben auf den abgeschrägten Pylonen in der Brückenmitte hatten sich Eisplatten gebildet, die auf die Autos herabfielen – glücklicherweise ohne Personenschäden. Von einem Konstruktionsfehler wollten die Brückenbauer nichts wissen … nachvollziehbar bei Gesamtkosten von 960 Millionen Euro und bereits jetzt einem Fünftel Mehrkosten wegen Planungsmängel und Pfusch am Bau.
In Köln neigt man zur Gelassenheit. Ich hatte mich in der vorigen Folge dieses Blogs (Nr. 16) noch aufgeregt über „Köln, die Hauptstadt der Bekloppten“ (Zitat des Kabarettisten Guido Cantz), weil die städtische Verwaltung den Begriff „Spielplatz“ abschaffen und durch „Spiel- und Aktionsfläche“ ersetzen wollte … einschließlich rund 770 neuer Namenschilder. Damit sich auch Ältere angesprochen fühlen. Kostenpunkt: 250.000 Euro. Nach heftigen Protesten wurde das Vorhaben auf Eis gelegt. Ein paar Redner nutzten das Thema in ihren Büttenreden. Verhaltener Beifall. So etwas sind Kölner gewohnt.
Apropos gewohnt: Der absolute Kölner Karnevals-Hit dieses Jahres ist die „Karnevalsmaus“: „Ich bin ‘ne Karnevalsmaus. Und ich geh‘ nicht ohne Kölsch aus dem Haus. Ganz egal, wohin.“ – Hä? – Ohne erhobenen Zeigefinger: Zwar ist der Anteil der 12- bis 17-Jährigen regelmäßigen Trinker gesunken, aber bei den unter 25-Jährigen schädigt Alkohol die Gehirnzellen und führt zu dauerhaften Gedächtnis- und Lernproblemen.
Hat Guido Cantz etwa doch recht?


